Historischer Hintergrund

Die erstaunliche Tatsache, dass die ehemalige Burg, damals Festung Königstein in den Jahren 1793 bis 1795 zum "Gefängnis der ersten Demokraten" Deutschlands wurde, ergibt sich aus ihrer Zughörigkeit zum Kurfürstentum Mainz und der Tatsache, dass diese Festung bereits über Jahrzehnte zuvor Staatsgefängnis des Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz war:
Die sukzessive Eroberung des Territoriums der ersten Demokratie auf deutschem Boden, der "Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents", deren Geltungsbereich sich über weite Teile der Pfalz und Rheinhessens inklusive Mainz erstreckte, im Frühjahr bis Sommer 1793 durch preußische und mit ihnen verbündete Truppen im Kampf gegen die Revolutionsarmee der Republik Frankreich, führte zunächst zur Flucht vieler Aktivisten und auch Funktionsträger dieser Republik.
Eine unbekannte Zahl von ihnen wurde auf der Flucht aufgegriffen, eine im Detail ebenfalls unbekannte Zahl zu Unrecht verhafteter Personen und mehrere damals bekannter und auch heute recherchierbarer Persönlichkeiten wurden ohne weitere Anklage auf die Festung Königstein verbracht.
Einem der wichtigsten Gefangenentransporte im Monat April 1793, dem etwa 50 sogenannte "Klubisten" angehörten, setzte der Autor Johann Heinrich Liebeskind im Jahr 1795 sogar ein ausführliches literarisches Denkmal.
Zwischen Frühsommer 1793 und 1795 waren offenbar, im Detail noch nicht hinreichend erforscht, über 160 politische Gefangene unter miserablen hygienischen Umständen auf der Festung Königstein inhaftiert, einige von ihnen nur Monate, andere fast zwei Jahre. Darunter befanden sich auch prominente Vertreter der "Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents" wie der demokratisch gewählte Bürgermeister von Worms Konrad von Winkelmann und der Deputierte der Republik, Philosoph und Theologe Felix Anton Blau.

Neben einer sehr kleinen Zahl Gefangener, die zeitweilig in Mainz, auf der Festung Ehrenbreitstein, dann auch in Erfurt einsaßen, war die Festung Königstein das zentrale Gefängnis für die tatsächlichen und vermeintlichen "Klubisten", die Demokraten der "Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents".

Diese Tatsache ist seit 1793 bekannt, ist von der historischen Forschung der folgenden zwei Jahrhunderte aber weitgehend unberücksichtigt geblieben. Mit der historischen Neubewertung der "Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents" des Jahres 1793 in den vergangenen 10 bis 15 Jahren stellt sich nun auch die Frage, wie mit der Tatsache dieses "Gefängnisses der ersten Demokraten" im gesellschaftspolitischen Sinn umgegangen werden soll.

Denn die Geschichte der "Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents", der Versuch ihres Anschlusses an die Republik Frankreich ebenso wie die Illusion ihrer Ausdehnung auf weitere Teile Deutschlands macht aus dem Gefängnis ihrer Protagonisten einen Ort europäischer Demokratiegeschichte.

Doch vor Ort ergibt sich eine bemerkenswerte Vorgeschichte: Mit der Besetzung von Stadt und Festung Königstein im Herbst 1792 durch die französische Revolutionsarmee und die Verteidgung der Festung bis zum März 1793 gegen preußische Belagerer ist die Festung Königstein "die letzte Festung der Franzosen" rechts des Rheins in der damaligen militärischen Auseinandersetzung und im Selbstverständnis ihrer Besatzer auch der letzte "befreite" Ort rechts des Rheins. - Diese militärischen Vorgänge werden politisch neu bewertet.

Das Projekt "Festung Königstein: Ort europäischer Demokratiegeschichte" ist die Antwort des Vereins Terra Incognita e.V. auf diese Erkenntnis.