Statements aus der Gesellschaft

Die Geschichte der demokratischen Traditionen und der politischen Selbstbestimmung in Deutschland gehört zu den bedeutendsten Elementen unserer Erinnerungskultur. Das Projekt "Festung Königstein – Ort europäischer Demokratiegeschichte" liefert einen wichtigen Beitrag zur Förderung dieser Erinnerungskultur. Durch die Initiative, die Königsteiner Festung als Erinnerungsort der Demokratiegeschichte wieder stärker in das Bewusstsein zu bringen, ist auch in Mainz die Festungshaft der Mainzer Jakobiner gleichsam als Schlusskapitel der Mainzer Republik in den Fokus gerückt.
Das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität e.V. (IGL) engagiert sich bereits seit vielen Jahren in Forschungsprojekten zur Demokratiegeschichte in Rheinland-Pfalz und den historisch verbundenen Gebieten. Insbesondere die Erforschung der Mainzer Republik bildet einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns besonders über die Kooperation zwischen dem IGL und der Initiative des Vereins Terra Incognita e.V.
Gemeinsam möchten wir auch künftig dazu beitragen, das Bewusstsein für die spannende und bedeutsame Geschichte der Demokratie in unserer Region zu stärken
(Dr. Kai-Michael Sprenger, GF Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz).

Die Mainzer Frühdemokraten haben in den Jahren der Französichen Revolution für ein freiheitliches demokratisches Deutschland gekämpft - unter Einsatz ihrer bürgerlichen Existenz, mit viel Mut und Zivilcourage. Von der Aufklärung beeinflusst, versuchten sie ihre Mitmenschen von den Idealen einer Demokratie zu überzeugen. Gerade heute ist es wieder von besonderer Bedeutung, die Werte der Demokratie an den Beispielen ihrer ersten Vorkämpfer anschaulich zu vermitteln. Dies lässt sich besonders an den Biografien etwa eines Felix Anton Blau zeigen, der auf der Festung Königstein eingesperrt wurde und dennoch unbeirrt an seinen Idealen festhielt. Menschen vom Schlage eines Felix Anton Blau haben sich in die große Chronik der Freiheit eingeschrieben und sind uns Nachkommenden ein Vorbild.
An diese demokratischen Traditionen angemessen zu erinnern ist verdienstvoll. Zu solchen Erinnerungsorten gehören auch die "Demokratenkerker" wie die Festung Hohenasperg bei Ludwigsburg oder eben die von Königstein. Deshalb begrüße ich die Initiative von Terra Incognita e.V. ausdrücklich und wünsche den Initiatoren viel Erfolg bei der Erinnerungsarbeit an unsere ersten Demokraten, die uns heute noch viel zu sagen haben
(Dr. Jörg Schweigard, Historiker und Wissenschaftsjournalist, Stuttgart).

"Wer in der Diktatur die Regierenden kritisiert, kommt ins Gefängnis: Wer in einer Demokratie über die Regierenden schimpft, kommt ins Fernsehen", unkte einst der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel. 1793 kamen Mainzer Demokraten in die Zellen der Festung Königstein. So sind diese fast vergessenen Mainzer heute noch Zeugen dafür, dass die Demokratie und die Freiheit nicht vom Himmel fallen, sondern den beherzten Mut, den Einsatz und den Willen der Bürgerinnen und Bürger zur Pflege des Gemeinnutzes brauchen. Das Vorhaben des Vereins "Terra Incognita", die Festung Königstein als einen "Ort europäischer Demokratiegeschichte" zu etablieren, mag ambitioniert sein. Doch Demokratiebildung ist grundsätzlich - zumal vor bzw. hinter Festungsmauern - eine lohnenswerte Anstrengung
(Dr. Alexander Jehn, Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung).

Seit den Tagen der Französischen Revolution haben Menschen in Deutschland für einen freiheitlichen Staat gekämpft. Vor allem den Mainzer Republikanern von 1792/93 gebührt der Ruhm, erstmals auf deutschem Boden eine moderne Demokratie gewagt zu haben.
Unbegreiflich, dass in Mainz bislang jede substanzielle Erinnerung daran fehlt.
Umso wichtiger die Initiative von Terra Incognita e.V., auf Burg Königstein an die Pioniere von damals zu erinnern!
Benedikt Erenz, DIE ZEIT

"Es ist Eure Burg. Macht etwas draus, bemächtigt Euch dieser Sache. ... Königstein könnte der Ort sein, an dem man ... den Wert von Demokratie erklärt und über das rein Geschichtliche hinaus bewusst macht, was verloren gehen könnte. ... Das ist eine total spannende Geschichte und noch dazu sehr aktuell." (Direktor Karl Weber, Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen).

"Darf ich Ihnen zu Ihrer Initiative, die Festung Königstein als "Gefängnis deutscher Demokraten" stärker im historischen Bewußtsein der Region und des Landes zu verankern, gratulieren? Als einer der Eckpunkte der Mainzer Republik ist die Festung ein wichtiger Erinnerungsort, der zudem Gelegenheit bietet, über das Verhältnis von Demokratie und Freiheit, Recht und Repression, nationalen und kosmopolitischen Identitäten zu diskutieren, was in den offenen Erinnerungsformaten, die Ihnen vorschweben, besonders gut möglich wäre. Ich wünsche Ihren Plänen viel Erfolg und bin gerne bereit, Sie zu unterstützen." (Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Historisches Seminar der Goethe-Universität Frankfurt)

"Die Festung Königstein ist ein bedeutender Ankerpunkt für die Demokratiegeschichte in der Rhein-Main-Region, gerade weil es sich um ein Gefängnis handelte: Orte der Unfreiheit sind für die historische und demokratische Bildungsarbeit genauso wichtig wie Orte der Freiheit! Sie schärfen das Bewußtsein dafür, wie fragil die Freiheit sein kann, mit welchen Opfern sie erkämpft oder behauptet wurde". (Magdalena Zeller, Projekleiterin "Geist der Freiheit - Freiheit des Geistes" in der KulturRegion Frankfurt RheinMain GmbH).

"Wir haben aus Ihren Veranstaltungen und unseren Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass Ihr Projekt .... sowohl für das Image der Stadt als auch für das Geschichtsbewußtsein ein zukunftsweisendes Projekt ist"(R udolf Krönke, 1. Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde e.V. Köngistein).

"Der vom November 1792 bis März 1793 amtierende Wormser Bürgermeister Konrad von Winkelmann war als Klubist auf der Festung Königstein inhaftiert. Das verbindet Worms und das Königsteiner Demokratieprojekt. Ein Faltlbatt beginnt in Worms einen Demokratierundgang durch die Stadt mit den Orten von 1792/93. Das war ein entscheidender Wendepunkt der Geschichte, auch für Worms. Das Ende der ständischen Gesellschaft mit der ständischen Freiheit der lutherischen Mehrheit gegenüber dem Bischof als Stadtherren bedeutete den Anfang der bürgerlichen Gesellschaft mit gleichen Freiheitsrechten für alle Bürger . Die linksrheinische Region wurde über den Code Civil republikanisch geprägt bis 1849 . Danach wurde diese Aufbruch in die Moderne durch Nationalismus und völkische Entmüdnigung des einzelnen zweimal im 20. Jahrhunderts zerstört. Heute ist es geboten, an die republikanische Begeisterung des frühen 19. Jahrhunderts, an die Weimarer Republik und an die europäische Friedenszeit nach 1945 anzuknüpfen und die demokratische Gesellschaft fortzuentwickeln statt zurück in die bekannte Barbarei zu fallen." (Volker Gallé, Kulturkoordinator der Stadt Worms).

"Die AG Kulturlandschaft Königstein-Kronberg e.V. begrüßt die Initiative des Vereins Terra Incognita e.V. die Königsteiner Burg beziehungsweise die Festung Königstein als „Ort Europäischer Demokratiegeschichte“ ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Die Bewahrung von Kulturlandschaft umfasst nicht nur, wie viele Menschen meinen, die reine oder ursprüngliche Landschaft, sondern schließt die Geschichte der Landschaft oder die darin befindlichen Relikte menschlichen Wirkens mit ein. Das gilt auch für Ereignisse, die über keine baulichen Überreste, d.h. dingliche Zeugnisse verfügen, wie die Geschichte und die damit verbundene Gefangenschaft der leider fast vergessenen Früh-Demokraten, die auf der Königsteiner Burg in Haft saßen.
Ihnen und die mit ihnen verbundenen Ziele einer Demokratie in Freiheit und Menschenwürde gilt die gleiche Wertschätzung, wie den verbliebenen baulichen Resten dieser einst stolzen Burg.
Besonders in Hinblick auf die immer noch labile Wertschätzung der europäischen Vereinigung der bislang beteiligten Nationalstaaten kann ein „Ort europäischer Demokratiegeschichte“ wertvolle Impulse geben. Die AG Kulturlandschaft begrüßt darum jede Aktivität, die es möglich macht, die Geschichte europäischer Demokratie sichtbar und erlebbar zu machen."
(Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Kulturlandschaft Königstein-Kronberg e.V.)

"Der Burgverein verfolgt seit einem Jahr mit großem Interesse die Aktivitäten zum Thema 'Festung Königstein - Ort europäischer Demokratiegeschichte'. ... Umso erfreulicher registrieren wir Ihre Bemühungen um eine Verbreitung und Hervorhebung unserer Burg. ... Wir halten es für einen sinnvollen Weg, das Thema im Wesentlichen virtuell und unter Nutzung neuer Medien anzugehen. ... Damit das Projekt ein Erfolg wird, halten Sie selbst die Erstellung eines professionellen Durchführungskonzeptes für erforderlich. Diese Auffassung teilen wir. ... Auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen ... freuen wir uns und hoffen, dass dies für unser wichtigstes Denkmal, die Burg, nützlich sein wird".
(Birgit Becker, Präsidentin des Burgverein Königstein e.V.)