Statements aus der Politik

Nach dem Beschluss des Magistrats der Stadt Königstein, dass Projekt ideell zu unterstützen, haben sich nun auch alle fünf im Königsteiner Stadtparlament vertretenen Fraktionen zum Projekt "Festung Königstein - Ort europäischer Demokratiegeschichte" positiv geäußert.
Damit ist der bestmögliche Konsens der direkt politisch Verantwortlichen erreicht.

Er bedeutet neben einem starken Statement für das Vorhaben selbst auch die unseres Wissens bundesweit erste konsensual formulierte Stellungnahme zu unserer nationalen Demokratiegeschichte:

---------------------------------------------------------------------------

 

Die SPD Königstein unterstützt mit voller Überzeugung das Projekt „Festung
Königstein – Ort europäischer Demokratiegeschichte“ des Königsteiner Vereins
Terra Incognita e.V. Von den Initiatoren sind eine europaweite Bekanntmachung
sowie eine bildungspolitische Erschließung angestrebt.
Wenige Königsteiner Bürgerinnen und Bürger wissen um die Bedeutung der Festung
Königstein im Kontext des Kampfes um Demokratie. Im Zuge und als Folge der
Französischen Revolution 1789 existierte im Frühjahr 1793 im heutigen
Rheinhessen die „Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents“, deren
Parlament in Mainz tagte. Es war in Deutschland der erstmalige Versuch,
Demokratie als Staatsform zu implementieren. Dieser erste Versuch eines
demokratischen Staatswesens wurde seitens der Monarchie – insbesondere
Preußens – von Beginn an bekämpft und deren Protagonisten verfolgt.
Viele der damals aktiven Demokraten wurden ab Frühjahr 1793 sukzessive auf der
Festung Königstein im Taunus bis Anfang 1795 interniert. Die Festung Königstein
wurde so zum „Gefängnis der ersten Demokraten“ in Deutschland und ist damit ein
bedeutender Ort der deutschen und europäischen Demokratiegeschichte.
Der ebenfalls gewaltsam niedergeschlagene Versuch zur Errichtung einer
Demokratie in Deutschland von 1848 (Paulskirche) ist ohne die Vorgänge von 1793
nicht vorstellbar und in einer historischen Linie zu sehen.
Es dauerte noch Jahrzehnte des Kampfes und der Verfolgung von Demokraten,
Repressionen, Verhaftungen, Sozialistengesetze, eines verlorenen Weltkrieges und
einer Revolution bis 1919 die erste Demokratische Republik – die Weimarer
Republik – unter der Führung der SPD implementiert werden konnte.
Als diese spätestens mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten unter Mithilfe
nationalistischer Parteien scheiterte, begann in Deutschland wiederum die
Verfolgung von Demokraten aus dem liberalen, dem kirchlichen, dem
gewerkschaftlichen, dem kommunistischen und dem sozialdemokratischen
Spektrum. Unvergessen und stellvertretend hierfür stehen die Worte des SPD
Vorsitzenden Otto Wels bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz, der
Einführung der Diktatur: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen – die Ehre
nicht!“
Heute, als Folge des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom
Nationalsozialismus, existiert in der Geschichte Deutschlands erstmalig eine stabile,
verlässliche und sehr erfolgreiche Demokratie, welche ohne die Opfer unserer
Vorfahren undenkbar wäre.
Auch die Opfer des ersten Versuches der Errichtung eines demokratischen
Staatswesens in 1793 verdienen es geehrt zu werden und an sie zu erinnern. Auch
und insbesondere in Zeiten, in denen der Nationalismus europaweit wieder auflebt,
die Pressefreiheit in Europa wieder auf dem Prüfstand steht oder bereits erheblich
eingeschränkt bzw. faktisch abgeschafft ist wie in Polen, Ungarn, Türkei, sind das
Wachhalten der Erinnerung an die Geschichte der Demokratie von zentraler
Bedeutung.
Demokratie ist kein Selbstläufer, Demokratie muß mit jeder Generation neu
erkämpft oder verteidigt werden. Menschen, heute wie gestern, welche unter
erheblicher Gefahr für Leib und Leben für die Demokratie eintreten, verdienen ein
hohes Maß an Respekt und sind es wert, an sie erinnert zu werden.
Hierzu sind am Besten die historischen Stätten wie „Das Gefängnis der ersten
Demokraten“ in der Festung Königstein geeignet.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Ortsverband Königstein - Dr. Ilja-Kristin Seewald

---------------------------------------------------------------------------

 

Die Festung Königstein als "Ort europäischer Demokratiegeschichte" zu würdigen, bedeutet ein klares Bekenntnis zu unserer heutigen freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Burg und Festung Königstein stellen einen konkreten Berührungspunkt zwischen französischer Revolution und deutscher Demokratie, aufgrund der Ereignisse um das "Gefängnis der ersten Demokraten" in den Jahren 1793 bis 1795, dar. Die Ausrufung der "Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents" am 18. März 1793 in Mainz markiert den offensichtlichen Beginn unserer nationalen Demokratiegeschichte.
Auch das Fundament der Bundesrepublik Deutschland wurde in Königstein im „Haus der Länder“, der Villa Rothschild, mit der Vereinbarung des Grundgesetzes bis zu seiner Verabschiedung am 23. Mai 1949 gelegt.
Die kalendarische Koinzidenz der Wahl zur ersten freien Volkskammer der DDR am 18. März 1990 mit der Ausrufung der Republik am 18. März 1793 kann für die Kontinuität des politischen Willens nach Freiheit und Demokratie stehen, die in der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 kulminierte. Direkt danach vereinigten sich "Bündnis 90" und die westdeutsche Schwesterpartei, die GRÜNEN, ein realpolitischer und symbolischer Akt. Das Bekenntnis von Bündnis 90/DIE GRÜNEN zu dem Geist dieses Datums ist bis heute verpflichtend und im Namen der Partei verankert.
Dem Vorhaben, im Rahmen des sich zurzeit formierenden nationalen Netzwerkes deutscher Demokratiestätten die Festung Königstein als "Gefängnis der ersten Demokraten" bekannt und erlebbar zu machen, wünschen wir Erfolg. Für Königstein als eine der wenigen Städte Deutschlands, die zweimal herausragender Ort unserer Demokratiegeschichte waren, ist dieses Projekt ein wichtiges Element für die Identität unserer Stadt und ihr Ansehen in der Nation: Es steht für den Willen, aus der Geschichte nicht nur zu lernen, sondern sie auch im Sinne aktiver Demokratiebildung und Identifizierung mit unserem Staat zu dokumentieren.
Cordula Schulz-Asche, MdB, Sprecherin für Bürgerschaftliches Engagement, Bündnis 90/DIE GRÜNEN;
Dr. Bärbel von Römer-Seel, Bündnis 90/DIE GRÜNEN Königstein

---------------------------------------------------------------------------

 

Vom "Hallgartenkreis" im Rheingau, von Adam von Itzstein, von der Gründung der liberalen Partei 1847 und ihrer Wiedergründung 1948 in Heppenheim über das Paulskirchenparlament bis hin zum Kelkheimer Heinrich von Gagern 1848 ist die Geschichte der Liberalen eng mit unserer Region verknüpft.
Dem Projekt, das „Gefängnis der ersten Demokraten“ in der Festung Königstein in die Reihe wichtiger Demokratieorte Deutschlands an prominenter Stelle einzuordnen, stehen die Freien Demokraten Königsteins positiv gegenüber. Auch wenn die Bedeutung des Mainzer Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents von 1793, der sogenannten „Mainzer Republik“ unter Historikern unterschiedlich bewertet wird, stellt diese doch den ersten Versuch dar, auf deutschem Boden ein demokratisches Staatswesen zu schaffen. Nach dem alsbaldigen Scheitern dieses Versuchs wurden viele dieser „ersten Demokraten“ in der kurmainzischen Festung Königstein inhaftiert, wodurch diese eine enge Verbindung mit der Geschichte der „Mainzer Republik“ einging. So hat sich hier, wie dann auch 1948/1949 in der Villa Rothschild, dem „Haus der Länder“, der Wiege des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, ein Stück unserer Demokratiegeschichte ereignet.
Dies im Sinne demokratischer Identität zu dokumentieren und erlebbar zu machen - mit den heute verfügbaren elektronischen Medien -, ist eine Idee, die wichtig sein sollte, auch und gerade im Hinblick auf die neuerdings hinterfragten europäischen Grundwerte.
Wir wünschen dem planenden Verein Terra Incognita e.V. Erfolg und Fortune bei der weiteren Erarbeitung des Konzepts und seiner Umsetzung.
Alexander Frhr.v.Bethmann, Vorsitzender des FDP-Ortsverbands Königstein


---------------------------------------------------------------------------


Die Burg Königstein als einen „Ort der europäischen Demokratiegeschichte“ den Menschen nahezubringen, ist ein gutes Vorhaben. Das Projekt beleuchtet die Burg als „Gefängnis der ersten Demokraten“. Das ist eine bislang wenig bekannte und beachtete Facette unserer Stadtgeschichte.Wir freuen uns, dass Königsteiner Bürger dafür Einsatz, Zeit und Geld aufbringen. Denn gerade heute lebt Demokratie von ehrenamtlichem Engagement und dem Einsatz ihrer Bürger. Durch dieses Vorhaben zeigt sich einmal mehr, dass es nicht nur Institutionen braucht, um so etwas auf die Beine zu stellen. Wir wünschen dem gemeinnützigen Verein „Terra Incognita e.V.“ , dass er das vielfältige und mit großem ehrenamtlichen Geist geführte Königsteiner Vereinsleben bereichert.
CDU Königstein


---------------------------------------------------------------------------

 

Königstein als Ort deutscher Demokratiegeschichte ins Bewusstsein rücken

Auch die Stadt Königstein ist ein Ort der deutschen Demokratiegeschichte.
Dazu gehört nicht nur das düstere Kapitel der Gefangenschaft von Mainzer Demokraten in den Jahren 1793 bis 1795 auf der Festung Königstein. Die Mainzer Republik war in der Folge der Französischen Revolution im März 1793 ausgerufen worden. Die ersten Demokraten oder die, die dafür gehalten wurden, wurden nach der Zerschlagung der Mainzer Republik durch die Preußen verhaftet und in das Staatsgefängnis auf der Festung Königstein gebracht.
Auch die Erinnerung an die jüngere Geschichte, Nutzung der früheren Villa der Familie Rothschild als „Haus der Länder“ und Konferenzort für viele grundlegende Verhandlungen über die Ausgestaltung Nachkriegsdeutschlands zur heutigen Bundesrepublik Deutschland war, ist sinnvoll.
Königstein hat durch Initiativen des Vereins „Terra Incognita e.V.“ sowie durch weitere Vereine und Initiativen wie die des Kelkheimer Historikers Dr. Mark Scheibe, der Königsteiner Europa-Initiative, des Königsteiner Burgvereins, des Vereins für Denkmalpflege, um nur einige der historisch Aktiven in Königstein zu nennen, das Potenzial, als Ort der deutschen Demokratiegeschichte einen wichtigen Platz einnehmen zu können.
Die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK) begrüßt die vielen Initiativen als wichtige Beiträge dazu, die Geschichte der Stadt und die Bedeutung der Demokratie für Königstein herauszuarbeiten. Die ALK wünscht allen Beteiligten in Zusammenarbeit mit dem städtischen Fachdienst Kultur viel Erfolg bei der Aufgabe, die historische und kulturelle Bedeutung Königsteins herauszustellen und den Besuchern unserer Stadt zu präsentieren.

Robert Rohr, Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK)

---------------------------------------------------------------------------

 

"Die Vertreter der ersten Demokratie auf deutschem Boden sind heute zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geraten.
Jahrzehnte vor der deutschen Revolution von 1848 und der Paulskirche, viele Jahre vor dem "Vormärz", waren diese Männer Vorreiter der Veränderungen, die letztlich erst mit den Verhandlungen über das Grundgeseatz, unter anderem in der Königsteiner Villa Rothschild, zu einer stabilen Demokratie in unserem Lande führen konnten.
So kann sich Königstein rühmen, mit der Geschichte der deutschen Demokratie in zwei verschiedenen Jahrhunderten eng verknüpft zu sein."


Bürgermeister Leonhard Helm, aus: "Grußwort". Festung Königstein. Felix Anton Blau: Über die moralische Bildung des Menschen. Das Buch eines politischen Gefangenen. Königstein 2016.

---------------------------------------------------------------------------

 


Das Forum Kunst und Kultur der Sozialdemokratie in Hessen e.V.
begrüßt die Initiative des Vereins Terra Incognita e.V., die Königsteiner Burg beziehungsweise die Festung Königstein als „Ort Europäischer Demokratiegeschichte“ in der Öffentlichkeit weit über Königstein hinaus bekannt zu machen.
Die Burg Königstein bietet die Chance ein Kulturdenkmal mit der frühen Geschichte deutscher Demokratiebestrebungen in Verbindung zu bringen, das heißt sie schließt die Geschichte der Landschaft und die darin befindlichen Relikte menschlichen Wirkens ein.
Ihnen und die mit ihnen verbundenen Ziele einer Demokratie in Freiheit und Menschenwürde gilt die gleiche Wertschätzung wie den Ruinen unserer Kulturlandschaft.
Besonders in Hinblick auf die instabile Wertschätzung der europäischen Vereinigung der bislang beteiligten Nationalstaaten kann ein „Ort europäischer Demokratiegeschichte“ in diesem Fall ein „Gefängnis der ersten Demokraten“ wertvolle Impulse geben. Das Forum für Kunst und Kultur begrüßt darum jede Aktivität, die es möglich macht, die Geschichte europäischer Demokratie sichtbar und erlebbar zu machen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit politische und kulturelle Bildungsarbeit, zusammen mit Gedenkstätten in Weimar, Berlin, Frankfurt, Rastatt und Hambach miteinander zu verbinden. Die Festung Königstein als "Ort europäischer Demokratiegeschichte" zu würdigen, bedeutet ein klares Bekenntnis zu unserer heutigen freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Burg und Festung Königstein stellen einen konkreten Berührungspunkt zwischen französischer Revolution und deutscher Demokratie dar, aufgrund der Ereignisse um das "Gefängnis der ersten Demokraten" in den Jahren 1793 bis 1795. Die Ausrufung der "Republik des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents" am 18. März 1793 in Mainz markiert den offensichtlichen Beginn unserer nationalen Demokratiegeschichte.